Auszug aus Kapitel 27

Meditation im langsamen Gehen und Atmen (Teil eins)

Es genügt nicht, nur in der Meditation, während man still sitzt, höhere Bewusstseinszustände erfahren zu haben. Man muss versuchen, diesen Zustand der inneren Sammlung so weit wie möglich auch während des Tätigseins aufrechtzuerhalten, um ein Kanal zwischen dem Höheren und dem Niederen zu werden und die göttliche Flamme zu den tieferen Ebenen des Seins und Daseins zu bringen, wo sie in einem selbst oder im äußeren Leben gebraucht wird. Ohne den Abstieg dieses erhabenen Lichtes in die düsteren Regionen des eigenen Selbst und des Lebens kann es keine Transformation geben – weder für den Menschen, noch für alle anderen empfindungsfähigen Geschöpfe und Dinge um ihn herum, die diesbezüglich auf ihn angewiesen sind.
Die Erfüllung dieses heiligen Zieles kann nur durch die bewussten Bemühungen des Menschen, sich zu transformieren, geschehen – was von ihm einen harten Kampf erfordert, mit einer gewissen Selbstaufopferung im Dienste des göttlichen. Andernfalls wird die Flamme des göttlichen bewusstseins, wie immer, in den höheren Bereichen seines Seins ihren Glanz erstrahlen lassen, während die tieferen Ebenen seines Seins, von einem Mantel aus Nebel und tiefer Dunkelheit umschlossen, davon abgeschnitten bleiben und nichts von diesem glänzenden Licht wissen werden. So kann man vielleicht beginnen, besser zu verstehen, welche Rolle dem Menschen im Universum zugeteilt ist, was von ihm verlangt wird und wie wichtig er als Bindeglied zwischen dem höchsten kosmischen geist und der Schöpfung in all ihren verschiedenen Manifestationen ist.

Selbst wenn man während der Meditation in gewissen privilegierten Momenten sehr hohe Bewusstseinszustände berührt, wird man, wenn man nicht genügend bereit ist, solch außerordentliche Erfahrungen zu tragen, finden, dass man, sobald man wieder zu einer Tätigkeit des Lebens zurückkehrt oder wieder mit anderen Menschen in Kontakt kommt, nahezu sofort die positiven Wirkungen der Meditation verliert. Von diesen anscheinend entgegengesetzten äußeren Bedingungen nach unten gezogen, wird man erneut vom alten gewöhnlichen Selbst verschlungen werden und wird, ohne es vielleicht gleich zu merken, fortfahren, wie zuvor vor allem aus eingefleischten Gewohnheiten und Glaubensvorstellungen heraus zu reden und zu handeln – fast immer aus einem persönlichem Interesse und ungesehenen Motiven heraus, die von der gewöhnlichen Seinsebene aus schwer wahrgenommen werden können. In solchen Augenblicken wird man an diese höheren Seinszustände und erhabenen Gefühle, die man eventuell in der Meditation erfahren hat, nur „denken“ oder sich an sie „erinnern“, ohne sie tatsächlich in der Gegenwart zu „leben.“ …/

Darum ist es jetzt notwendig, eine neue und wichtige Meditationsübung aufzunehmen, die als Stütze für die Aufmerksamkeit eine äußerst langsame und besondere Art des Gehens benutzt, um zu lernen, auch während der Bewegung und später während aller Aktivitäten des Lebens diesen lebenswichtigen Zustand des Selbstgewahrseins besser aufrechtzuerhalten. Diese besondere Meditationsform kann nicht in der Öffentlichkeit praktiziert werden, sondern nur, wenn man alleine ist – aus Gründen, die dem Aspiranten einleuchten werden, wenn später auf die Details eingegangen wird.

Wenn der Aspirant eine Zeitlang mit dieser spirituellen Übung gearbeitet und sich hinlänglich mit ihr vertraut gemacht hat, wird er nicht nur einen ungeheuren Nutzen aus ihr ziehen und Hilfe bekommen, um sich seiner selbst während des Tätigseins besser bewusst zu werden, sondern er wird sie auch besonders wertvoll finden, wenn er an Tagen übermäßiger äußerer Belastung, die körperliche und geistige Ruhelosigkeit mit sich bringt, einen zu großen Widerstand in sich findet, um im Sitzen zu meditieren.

Sich  vorbereiten

Wegen der außerordentlichen Langsamkeit, in der dieses Gehen ausgeführt werden muss, und weil sich der Körper selbst an dieser spirituellen Arbeit beteiligt, wirkt die Übung sowohl auf der körperlichen wie auf der geistigen Ebene besonders beruhigend. Auf jeden Fall wird der Aspirant später dieses langsame Gehen als Einleitung zu seiner täglichen Meditation sehr nützlich finden, selbst wenn er es nur wenige Minuten durchführt. Durch Wiederholung wird es als Signal und innere Vorbereitung dienen, um zu helfen, den Sucher in Bereitschaft und in die richtige Geistesverfassung zu versetzen, bevor er seine gewohnte Sitzhaltung einnimmt.

Des weiteren kann diese besondere Weise des Gehens zwischen zwei langen Meditationssitzungen von Wert sein, um Muskelspannungen oder Krämpfe zu lösen, ohne die Kontinuität der Konzentration zu unterbrechen. Sie sollte, wie gleich erklärt wird, in mehreren Stufen gelernt und geübt werden.

Der Sucher sollte immer damit beginnen, zwei Minuten sehr still zu stehen, um mit seinem ganzen Körper Kontakt aufzunehmen und – wie bei der Hatha-Yoga-Übung – in seiner stehenden Position eine spezielle innere Achse in Bezug auf seinen Rücken und seine Wirbelsäule zu finden. Wenn er innerlich aufnahmefähig ist und lernt, seinem Körper zu erlauben, das zu tun, wird er merken, dass sein Körper auf eine subtile Weise beginnen wird, aus eigenem Antrieb seine Haltung von innen nach außen zu berichtigen. Durch geheimnisvolle, fast unmerkliche innere Muskelbewegungen wird er nach und nach beginnen, sich aufzurichten und zu strecken. Wenn der Aspirant schließlich fühlt, dass er gut mit seinem Körper verbunden ist – ihn auf eine Weise „bewohnt“, wie er es normalerweise nie tut –, sollte er nun eine globale körperliche Empfindung von  der Gesamtheit seiner selbst entwickeln. Außerdem muss er aufmerksam auf den Nada in Kopf und Ohren achten und gleichzeitig sein Bewusstsein in alle Richtungen, über die Wände seines Zimmers hinaus, ausdehnen.

Alle diese notwendigen